Kaufrausch-Delinquentinnen inflagranti erwischt

Zwei deutsche Frauen, die sich als Touristinnen getarnt hatten, versetzten das südfranzösische Saint Tropez am vergangenen Freitag und Samstag in Angst und Schrecken. Ihre ahnungslosen Opfer, Boutiquen und Schuhläden in der Stadt sowie Antiquitätenläden in der näheren Umgebung, fielen den beiden praktisch ohne Gegenwehr zum Opfer. Dann schlug die Polizei zu.

Erst Saint Tropez …

Aus dem Polizeibericht der Gendarmerie von Saint Tropez:

Sonntag, 14:17 Uhr

Die Unternehmerin Monika H. wurde gestern in Südfrankreich inflagranti beim Kaufen erwischt. Als die Polizei sie dingfest machte, stritt sie zunächst vehement ab, irgend etwas erworben zu haben.

Angesichts der Beute, welche man dann in ihrem Fahrzeug fand, war jedoch jegliches Leugnen zwecklos. Unzählige Taschen der ersten Adressen von St. Tropez standen ordentlich aufgereiht nebeneinander.

Die sichtlich überraschte Täterin gab daraufhin zu, in diversen Boutiquen und anderen Läden Kleidungsstücke und mehr gekauft zu haben.

Mit ihr erwischt wurde ihre Komplizin K., welche angesichts der überwältigenden Beweislage unumwunden zugab, es hätte ihr sogar Spass gemacht.

Auf die Frage des Schnellrichters von Saint Tropez, weshalb sie diese Taten begangen habe, wusste die verwirrt erscheinende Monika H. keine bessere Antwort als: «Ich weiss es auch nicht. Plötzlich wollte ich kaufen.»

Unser Gerichtsreporter fügt hinzu: K. erklärte, es müsse in einem Augenblick der Schwäche geschehen sein, was ihr der Richter allerdings nicht abnahm.

Trotzdem kamen die Täterinnen glimpflich mit einer Verwarnung davon.

… dann Mailand

Montag, 12:35 Uhr

Ein Informant dieses Blogs meldete sodann am Montag Mittag, er habe die Damen nunmehr in Mailand gesichtet.

Tatsächlich erging am frühen Nachmittag um 14:06 eine Warnung der Policia Acquisto (der Kaufpolizei) an sämtliche Ladenbesitzer der Innenstadt:

Die Boutiquen und Kaufhäuser Mailands werden seit einer Stunde von zwei betörend aussehenden Frauen unsicher gemacht, die dem zügellosen Kaufrausch verfallen sind.

Warnung:

Verhängen sie ab 17:00 Uhr die Schaufenster, öffnen sie die Türen weit, ölen sie die Kredikartenmaschinen, und geben sie sich bei Eintritt der Damen in ihr Geschäft völlig ahungslos.

Lehnen sie keinerlei Kaufwünsche ab, dienen sie den Damen noch mehr und noch mehr an. Nur so werden sie sie wieder los!

Nachdem die Situation offenbar ausser Kontrolle zu geraten schien, liefen am späteren nachmittag Herolde im Auftrag der Polizei durch die Stadt und verkündeten mit Megaphonen:

«Der Commandante warnt: Wenn sie auch nur irgendwelche ihrer Waren noch behalten wollen, dann seien sie grantig, missmutig, holen sie immer erst die falsche Schuhgrösse, etc …. so wie sie es mit ungezogenen Kindern machen.»

Vergebliche Warnungen

Gleichwohl kam es in der Stadt zu beträchlichem Schaden.

Nachdem Enrico Gallo von den beiden kaufwütigen Tedesche heimgesucht wurde, hat der frischgebackene Millionär soeben verkündet, dass er seinen Laden schliesst. Sieben Angestellte stehen auf der Strasse.

Enrico: «Die haben mir alles leergekauft. Eine von den beiden fand dann sogar noch Gefallen an den Regalen, der Theke und den Vorhängen der Umkleidekabinen. Was sollte ich tun? — Ich war wehrlos und musste alles abgeben. Leider funktionierten auch die Kreditkarten der Damen, eine bezahlte neben einem Bündel von 500-Euro Scheinen gar mit einer VISA Infinite Karte der Eurasian Bank.»

Polizei begutachtet und bestätigt Schaden

Die Polizei bestätigte den Bericht nach einem Augenschein: «Sie haben ihm nichts gelassen. Gar nichts. Mit Enrico verlieren wir ein treues Mitglied der Haute Couture von Milano.»

Enrico fügte betrübt hinzu: «Jetzt muss ich an die Küste ziehen und den Rest meines Lebens Geld ausgeben. Glauben sie mir, ich wollte das nicht!»

Gewerkschaft protestiert mit Spontandemo!

Die Arbeitergewerkschaft „Hand und Fuss“ verlangte in einer Spontandemo vor der Kathedrale, dass der Staat die an Prostitution erinnernde Zurschaustellung von Waren aller Art endlich verbietet: «Es kann nicht angehen, dass ahnungslose Geschäftsinhaber plötzlich keine Waren mehr haben, nur weil zwei deutsche Frauen sich nicht beherrschen können.»

Enricos Angestellte weinten ihrem Chef, der ihnen zum Abschied ein halbes Jahresgehalt als Trost gab, grosse Tränen nach.

Weiterhin flüchtig

Die beiden Damen konnten trotz eilig eingerichteter Strassensperren flüchten. Als die Fahndungsmeldung den Zoll beim Grenzübergang Chiasso erreichte, hatten Monika H. und ihre Komplizin K. den Länderübertritt mit unbekanntem Ziel soeben hinter sich gebracht.

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