Palästinenser – Menschen zweiter Klasse

Schäm Dich Deutschland!

Eine Polemik

Der Aufwertung Palästinas in einen Beobachterstatus in diesem November 2012 bei der UNO will die deutsche Bundesregierung nicht zustimmen. Niemand schämt sich. Niemand wird rot.

Das geschundene palästinensische Volk, Unzählige vertrieben, getötet, enteignet, Dörfer von der Landkarte ausradiert, sitzt leider nicht auf Ölreserven wie das Scheichtum Kuweit. Diesem standen die USA und eine grosse „Koalition der Willigen“ bei, als Saddam Hussein seine düsteren Kriegsspiele trieb. Aber wer „will“ denn schon Palästinenser?

Palästinenser und Indianer

Aussenministerin Hillary Clinton wird in Spiegel-Online zitiert mit: „Ich habe oft gesagt, dass der Pfad zu einer Zweistaatenlösung, die die Hoffnungen des palästinensischen Volkes erfüllt, über Jerusalem und Ramallah führen muss, nicht über New York.“ — Mit einem Satz macht die Noch-Aussenministerin Jerusalem zur Hauptstadt Israels. Diesen Anspruch erheben allerdings auch die Ureinwohner der dortigen Region – die Palästinenser. Vielleicht denkt Frau Clinton ja an die Art und Weise, wie ihre Vorfahren die Indianer zur Abschlachtung freigaben … Und die Israelis machen mit der Enteignung der Palästinenser weiter. Sie nennen sich Siedler, aber sie sind Besatzer. Verstossen gegen internationales Recht. Doch die USA finanzieren den israelischen Machtapparat grosszügig.

Setzten sich die USA für die Freiheits- und Bürgerrechte der Palästinenser so ein, wie sie es für andere tun, dann wäre das Nahostproblem schon längst gelöst.

Deutsche Feigheit

Und Deutschland? Mit Ausflüchten, der sogenannte Friedensprozess dürfe nicht noch weitere negative Belastungen erfahren, wird Deutschland dem Antrag Palästinas nicht zustimmen.

Und statt den israelischen Partner in die Schranken zu weisen, ihn mit Sanktionen zu belegen, weil er UNO Resolutionen missachtet ( zum Beispiel die Resolution 242 des UN Sicherheitsrates), sich nicht nur nicht aus den besetzten Gebieten zurückzieht, sondern sich dort dauerhaft niederlässt, wird weiterhin so getan, als sei Israel eine ganz normale Demokratie in einem normalen Umfeld. Ist es aber nicht.

Zudem muss die schleichende Ausrottung eines Volkes fernab von der Heimat ja nicht betroffen machen. Die Palästinenser sind doch selber schuld, dass sie sind, wo sie sind. Können ja in die Wüste Sinai. Oder gleich auf den Berg Sinai. Hat doch anderen in der Vergangenheit auch schon gut getan. Vielleicht werden sie dann ja erleuchtet, wie sie sich den Israelis angemessen unterwerfen sollten.— Manchmal will mir scheinen der deutsche Schuldkomplex ob der Judenvernichtung in Hitlers Deutschland macht die Regierenden blind und lähmt sie. Vielleicht haben sie auch Angst, dass man ihnen Judenfeindlichkeit vorwürfe, wenn sie den Palästinensern zur Seite stünden. Dabei sind Juden und Israelis zwei paar Schuhe, wie auch in Israel immer dann unterstrichen wird, wenn es gefällt.

Wenn Deutschland ein Freund Israels sein will, dann sollte es diesen Freund auch in die Schranken weisen dürfen. Man wäre verpflichtet, seinem Freund zu sagen: Du befindest Dich auf dem Irrweg!

Würde die Welt die Rechte der Palästinenser endlich durchzusetzen helfen, ein Grossteil der Spannungen wären vom Tisch. Der Iran hätte kaum noch Gründe für die heftige Rethorik, Terroristen verlören ein entscheidendes Fundament. Und die feindliche Grundeinstellung vieler Jugendlicher in der arabischen Welt gegenüber dem Westen würde ein Ende finden.

Aber die Welt will das wohl nicht.

Genauso aber scheut sich Israel, sich auch noch ganz Palästina einzuverleiben. Denn dann müssten sie den Palästinensern irgendwann auch volle Stimmrechte bei Wahlen geben. One man – one vote. Wie unangenehm das wäre. Die Ureinwohner auch noch mit Rechten auszustatten.

Was also tun mit den Palästinensern? Der heutige Premierminister Benajmin Netanyahuh hatte da offenbar schon in den 80er Jahren klare Vorstellungen:

„Israel should have taken advantage of the suppression of the demonstrations in China, while the world’s attention was focused on these events, and should have carried out mass deportations of Arabs from the territories. Unfortunately, this plan I proposed did not gain support, yet I still suggest to put it into action. „— Der Interessensoffenlegung halber sei gesagt, dass der Unterzeichner der Herausgeber des Buches „Encyclopedia of the Palestine Problem“ ist, woraus dieses Zitat stammt.

Wie lange will die Welt noch zuschauen?

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„Störerhaftung“ soll ausgeweitet werden

Wer in Deutschland anderen Zugang zu seinem Internetanschluss gewährt, zum Beispiel ein Restaurant, kann für über diesen Internetanschluss begangene Urheberrechtsverletzungen haftbar gemacht werden. So die aktuelle Rechtsprechung. Wer also drei Pornos und siebzehn Musikstücke herunterläd, während er bei einem bekannten Hamburger-Laden sein Mittagsmahl verzehrt, den könnte das MacMenü plötzlich einige Tausend Euro kosten.

Analog dieser sogenannten Störerhaftung bei Internetverbindungen, soll dieses Haftungsprinzip nun ausgeweitet werden, wie ein anonym bleibender Ministerialdirektor im Bundesministerium der Justiz dieser Zeitung verriet: „Um die Gleichbehandlung aller zu gewährleisten, soll die Störerhaftung nunmehr auch auf Post und Telekom ausgedehnt werden“

1. Post

Wer per Brief oder Postkarte DVDs oder Musik-CDs bestellt, diese aber nicht bezahlen kann, der wird als primärer Schuldner erst gemahnt und dann gepfändet. Für die Differenz, also den nicht eintreibbaren Betrag, wird dann die Post einspringen müssen, da nur durch ihre Dienstleistung diese Bestellung erst möglich wurde.

2. Telefon

Analoges gilt für Bestellungen über das Telefon, auch wenn der Anruf von einem Versandunternehmen im Sinne eines Verkaufsgespräches initiiert wurde.

Ziel dieser Gesetzesverschärfung sei die Gleichbehandlung aller möglichen Störer.

Praxisfremd

Ein Sprecher Post nannte diese Planungen im Justizministerium völlig praxisfremd. Es könne doch nicht angehen, dass die Post den Besteller von Waren erst auf seine Zahlungsfähigkeit hinsichtlich der Bestellung überprüfe. Zudem müsse sie dann ja das Postgeheimnis brechen und jede Korrespondenz auf mögliche Bestellungen prüfen.

Technisch machbar

Peter Krebet (Name v. d. Redaktion geändert), IT-Spezialist bei der Telekom hat diesem Blog gegenüber enthüllt, dass er federführend an einer Software zur Erkennung von Bestellvorgängen im Telefonverkehr arbeitet:

Wir arbeiten hier mit den Geheimdiensten ähnlichen Erkennungsmodulen, die bestimmte Wörter aufgreifen, im vorliegenden Fall zum Beispiel Euro, Bestellung, kaufen, unwiderruflich, Höchstbetrag, günstig, Rückgaberecht, um nur die Wichtigsten zu nennen.

Sobald diese Wörter während eines Telefonats gehäuft auftreten, werden die Gesprächsteilnehmer ermittelt und mit den Datenbanken der Schufa sowie der wichtigsten deutschen Kreditinstitute abgeglichen. Sollten die Beträge nicht mit den Bankauskünften harmonieren, können wir das Gespräch vollautomatisch abbrechen.

Auf die Frage, wie dies denn mit dem Fernmeldegeheimnis zusammenpasse, meinte der IT-Spezialist, dies zu beurteilen sei nicht seine Aufgabe. Er führe nur die Anweisungen seines Arbeitgebers aus. Allerdings gäbe es ja nach Abbruch noch eine automatische und kostenfreie (!) Meldung seitens der Telekom: „Dieser Anruf wurde aufgrund der uns vorliegenden Informationen über ihre Kreditwürdigkeit abgebrochen. Sollten sie der Meinung sein, dass dieser Abbruch zu Unrecht erfolgte, so drücken sie bitte die 1.“

 

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Aktualisiert: Der Aufmarsch der Zensoren — Huismann wird boykottiert

Das Verhalten ist wahrhaft ungeheuerlich, und mein Ausbruch hier entsprechend spontan: Das Autor Wilfried Huismann hat vor wenigen Wochen sein kritisches Buch „Schwarzbuch WWF – Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda“ vorgestellt.

Der WWF hat bisher vergeblich versucht, gegen das Werk eines einstweilige Verfügung zu erwirken. Laut Huismann findet am 15. Juni eine diesbezügliche mündliche Verhandlung vor dem Landgericht Köln statt.

Fakt ist: Das Buch befindet sich derzeit legal im Handel — wenn da nicht ein paar Unternehmen der Verlagsbranche wären, die mit der Zensurschere in ihren Köpfen die Verbreitung des Werkes aktiv zu verhindern suchen:

Meine Recherchen bei mehreren Buchhandlungen in Deutschland ergaben: Obwohl es keine rechtliche Verfügung gibt, die das Buch verbieten würde, haben die Verlagsauslieferer Libri, KNO VA und auch Umbreit das Buch aus ihrer Auslieferungsliste für Buchhandlungen herausgenommen.

Es geht hier nicht darum, ob das Buch rechtlich unhaltbare Vorwürfe gegenüber dem WWF enthält oder nicht. Es geht alleine um die Tatsache, dass zentrale Verbreiter von Büchern, diejenigen, die die Buchhandlungen mit Büchern beliefern, die Verbreitung von Gedanken eines Autoren bewusst und willig massiv behindern.

Solchen Zensoren gilt es Einhalt zu bieten und den Hintergründen dieses ungeheuerlichen Verhaltens auf den Grund zu gehen.

Ein Interview mit Wilfried Huismann findet sich bei 3sat.

UPDATE 17. Juni:

Landgericht Köln: Das Buch bleibt im Handel

Nachdem das Gericht erst für eine Neuauflage des Buches anordnete, Aussagen einer WWF-Funktionärin nicht mehr zu drucken, konnte offenbar keiner der anderen vom WWF vorgebrachten Punkte die vorsitzende Richterin davon überzeugen, den Vertrieb des Buches sofort zu stoppen.

Nun werden wir in den nächsten Tagen beobachten, ob Amazon, Thalia & Co. sich wieder an die Spielregeln der Demokratie halten, oder ob sie es vorziehen, ihre eines Diktatorenstaates würdige Zensorenrolle weiterhin auszuüben. — In der Schweiz übrigens liegt das Buch in den Buchhandlungen aus.

Links: Kölnische Rundschau, Frankfurt Allgemeine Zeitung

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… die Minuten danach — Seehofer redet mit Seele

Sehen Sie Herr Seehofer,

Das war doch jetzt einmal herzerfrischend. Und das, was Sie im ZDF ab Minute 5:20 zunächst off-the-record sagten, kam herüber als ehrliche Kommunikation, mitten aus der Seele des Menschen Seehofer.

Nicht dieses übliche Worthülsengeschwurbel, das schon lange keiner mehr Ernst nimmt.

Vor allem aber gefiel mir, dass Sie öffentlich Selbstkritik an der aktuellen Lage der Koalition üben, dass eben nicht alles in Ordnung ist und dass man darüber reden muss.

Der Kosmos des Politikers bewegt sich natürlich stets auch um die Selbsterhaltung. Und das eigene Tun muss einem richtig erscheinen, sonst täte man es nicht. Jedoch: Empfindet man das eigene Tun als richtig, weil es dem Selbsterhaltungstrieb dient oder weil es dem Auftrag der Auftraggeber, sprich der wählenden Bevölkerung, entspricht?

Mit Ihrem Interviewanhängsel haben Sie gezeigt, dass man sehr wohl beides miteinander vereinen kann. Ich finde eine solche Wahrhaftigkeit bemerkenswert. Sprechen Sie doch in Zukunft nur noch in Anhängseln und lassen Sie das vorherige, vom jeweiligen PR-Menschen empfohlene, Amts-BlaBla einfach weg.

Auf jeden Fall wünschte ich mir, dass ein derartiger Diskussionsstil, wie Sie ihn „off-the-record“ zeigten, in der deutschen Politik Einzug halte. Und das ohne hämische Seitenhiebe der jeweilig opponierenden Parteien. Einfach ehrliches und offenes Ringen um Positionen. So wie es einem Parlament gut stünde. Auf dass man sich in Phönix die bundestäglichen Generalddebatten nicht mehr wegen des kabarettistischen Unterhaltungswertes sondern wegen der inhaltlichen Auseinandersetzungen anschauen möchte.

Ab 05:20 beginnt der „off-the-record“ Teil:

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Google + Co … wenn die Suchmaschine lügt

In seiner rund 10 minütigen Rede zeigte Eli Pariser im vergangenen Jahr auf, welche Gefahr die Bemühungen der Suchmaschinenbetreiber und anderer Datengrössen wie Facebook, etc. haben, uns „massgeschneiderte“ Suchresultate zu liefern. (Im untenstehenden Mitschnitt kann man deutsche Untertitel wählen.)

Während uns dies zum einen nützlich sein kann (jemand, der häufig nach Kochrezepten sucht, wird sich freuen, wenn er auf die eingabe des Suchbegriffes „Waran“ ein Waran-Rezept aus Indonesien findet anstatt auf eine archäologische Seite verwiesen zu werden) besteht eben auch die Gefahr, dass wir nichts davon hören, dass der Waran eine gefährdete Spezies ist. — Liebhaber von Waranfleisch könnten durch diesen Hinweis natürlich auch angespornt werden, rasch noch das letzte Stück Waran zu vertilgen, bevor es damit endgültig aus ist. Information kann ein zweischneidiges Schwert sein.

Dass diese Suchvorauswahl durch Algorithmen stattfindet, also programmierte Suchroboter, unterscheidet sie wesentlich von den menschlichen Suchrobotern nach Nachrichten. Letztere kennen wir unter dem Begriff Journalist.

Völlig zurecht forderte Pariser, dass wir Nutzer über diese Such“helferlein“ selber bestimmen sollen könnten. Google & Co. sollten uns in den Sucheinstellungen also ermöglichen, die Suchresultate barrierefrei geliefert zu bekommen. — Dem stehen natürlich die Interessen der Werbeindustrie entgegen.

 

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www.wir-sind-die-urheber.de/

Natürlich fühlt man sich als Schreiberling geehrt, wenn man von Dritten zitiert wird und in den Literaturlisten als Quelle erscheint.

Was aber nervt, sind die Selbstbediener, sei es Studenten, die ihre Hausarbeiten zur Hälfte abschreiben und bei nur knapp fünf Prozent des Textes zugeben, woher sie die Erkenntnisse haben oder Professoren, die Grafiken in Power Point Präsentationen verwenden, die einem erst seltsam vertraut vorkommen und sich dann als dreiste Kopien aus den eigenen Werken entpuppen. Deshalb habe ich als Betroffener von Urheberrechtsverletzungen das Statement unterschrieben: wir-sind-die-urheber.de

Unter dem Vorwand, den Künstler schützen zu wollen, Verlage und andere Mittler zu den grossen Bösewichten abzustempeln, ist einigermassen abenteuerlich.

Ein Verlag, der mir die Marketing- und Verkaufsanstrengungen für meine Arbeit abnimmt, und den ich dafür mit Prozenten bezahle, möchte zwei meiner früheren Bücher jetzt als E-Books veröffentlichen. Aber ich ziere mich noch, weil ich nicht einsehe, dass irgendwelche Copy Junkies sie dann auf free-to-share Plattformen herumreichen. Wer so handelt, trägt Mitschuld an der gesetzgeberischen Gefangennahme der grossen Freiheit, die das Netz uns gebracht hat.

Man denke nur an das, was der 11. September 2001 mit der Freiheit in der Welt angerichtet hat! Demokratien, die fast schon polizeistaatliche Züge tragen, Fingerabdrücke, wenn man einreist, usw. Die Kontrollettis dieser Welt warten wie hungrige Geier auf die Rechtfertigungsgründe für eine völlige Überwachung allen Lebens. Und es gibt sie nicht nur in Diktaturen.

Freiheit ist eine zarte Pflanze. Der Diebstahl von geistigen Werken ist zwar die Freiheit des Diebes, aber sie verletzt meine. Deshalb hört seine (oder ihre) Freiheit dort auf, wo meine tangiert wird. Punkt.

Und wer den Kontrollfreaks in der Politik die Steilvorlagen für noch mehr Regelung und Gängelung und Verbote und Datenschutzaufweichung liefert, der sollte sich auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen.

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Der König von Alarosien

Er war gewählt worden. Doch er fühlte sich als König:  «Nein, ich will nicht nur der Oberanführer meiner Partei sein, ich bin der König aller Untertanen von Alarosien!», exklamierte der nun zum König Gewordene:  Alfonso Primero,  Alfonso der Erste.

Was macht ein frischgebackener König, wenn er sich noch überlegt, wie seine Statue auf dem Dorfplatz wohl in einigen Jahren aussehen müsse und welchem Künstler er diesen aus der Dorfschatulle zu finanzierenden kulturellen Beitrag an das Dorf zuschanzen sollte? Ein frisch gebackener König setzt Zeichen. Deutliche Zeichen! Schon immer besteht ein Amt der Macht aus der Macht als solcher sowie den vom Machtinhaber gesetzten Zeichen, damit ein jeder sehe: Der hier hat die Macht. Ihm will ich dienen. Widerspruch könnte für mich von grossem Schaden sein. Meine minderwertigen Ansichten behalte ich besser für mich.

Und weil alle Bürger diese Zeichen sehen sollten, beschloss der König von Alarosien, einen Grossteil der Verkehrszeichen zu ändern. Zeichen! Dutzende! Hunderte! Am liebsten gefielen ihm die Roten mit dem weissen Querbalken. Sie hatten etwas machtvoll Erotisches an sich, das ihn in seinen Bann zog. Schon immer hatte Alfonoso Primero die Bürgermeister der grossen Städte bewundert, wie sie mit einem Federstreich Tausende und Abertausende von Verkehrsteilnehmer in völlig neue Bahnen lenken konnten.  Von heute auf morgen verunsicherten sie unzählige Motoristen, liessen sie spüren, was wahre Macht bedeutet  und förderten damit zugleich regelmässig das Motorfahrzeuggewerbe durch erhöhte Reparaturaufträge. Vor einigen Jahren hatten sie in Alarosien schon einmal einen vom Schilderwahn Besessenen gehabt; und der hatte an sämtlichen Kreuzungen Schilder anbringen lassen, da er der Überzeugung gewesen war, die Bürger Alarosiens seien zu blöd, um die Grundregel „rechts vor links“ zu verstehen. Das alles erinnerte den König auch stets an glückliche Zeiten, als er als Knabe im zarten Alter von sechs oder sieben Jahren am Strande Kanäle in den Sand zog, worin dann Ameisen auf Blättern in den von drei Eimerchen voller Wasser ausgelösten Sturzfluten zu Tode kamen. Macht! Flüssig und unüberwindlich — für die Ameisen.

Nunmehr aber setzte Alfonso Primero seine Zeichen! Mit Geschick und mit Bedacht. Eben eines Königs würdig. Zunächst liess der König sein Büro in den grossen Ratssaal verlegen. Hier konnte man würdige Audienzen abhalten, und die Bittsteller würden genügend Respekt bekunden können, indem sie schon von weitem auf die Knie fallen und, wohl distanziert, gesenkten Blickes ihre Anliegen vorbringen oder  -stammeln würden.

Im Königssaal wurde ein kleines Podest errichtet, mit rotem, samten weichem Teppich überzogen, und darauf dann ein aus bestem Olivenbaumholz geschnitzter, reich verzierter Thron. Darin waren die wahren Insignien aller Machthaber eingelegt, kunstvolle Intarsien aus Eisen: Der Goldbarren und die neunschwänzige Katze. Und der König von Alarosien,  Alfonso Primero, fühlte sich wohl. Wenn er des Morgens das Eingangstor seines Schlosses am Dorfplatz durchschritt, grüssten ihn adrett gekleidete Polizisten und Polizistinnen mit strenger Mine, schmetterten ihm schon vor der ersten Treppenstufe die Verwaltungsangestellten lautstark „Alfonso befiehl, wir folgen Dir“ entgegen und klimperte der Tresorwächter lautstark mit dem Geldschatz des Dorfes, über welchen Alfonso Primero verfügte, wie es ihm gefiel. «Was mir gefällt, gefällt dem Dorf», war einer seiner Leitsprüche.

Von seinem Thron aus konnte der König von Alarosien den Dorfplatz bestens einsehen und fühlte sich seinen Untertanen auf diese Weise besonders verbunden. Mit wenigen Schritten war er am Balkon, konnte die gläserne Tür öffnen und den Balkon betreten — in welchem Augenblick eine Fanfare ertönte, die im ganzen Dorf hörbar verkündete, dass der König nun auf dem Balkon stehe und Huldigungen seiner Untertanen entgegenzunehmen bereit sei.  Alfonso Primero hatte, so meinten einige Dorfbewohner hinter vorgehaltener Hand, vergessen, dass er eigentlich nur ein demokratisch gewählter Bürgermeister sei.  Aber mit diesen Nebensächlichkeiten kann sich ein wahrer König natürlich nicht befassen. Im übrigen ist Demokratie ja lediglich ein alle vier Jahre wiederkehrendes Ritual, das den Bürgern suggeriert, ihre Meinung sei gefragt. Welch naive Vorstellung.

In seiner Grosszügigkeit wollte Alfonso Primero nunmehr mehr Bürgern die Gelegenheit geben, ihm während seiner Balkonbesuche zu huldigen. Und aus diesem Grunde liess er die verkehrsberuhigenden Massnahmen verbieten, die den Dorfkern während der letzten paar Jahre zu einem Ort geselligen Beisammenseins und einem Spielort für die Kinder und die Dorfjugend gemacht hatte. Die diversen Kaffees hatten Tische nach draussen stellen können, wo Einheimische wie Touristen gerne Einkehr hielten, sich über diese ruhige und beschauliche Dorf freuten und Alarosien zum menschenfreundlichsten Dorf von ganz Mallorca erklärt hatten. Doch dies war königsfeindlich. Ausserdem hatte der König Verpflichtungen gegenüber einer knappen Hand voll Geschäftsleuten, denen die Verkehrsberuhigung angeblich auch eine unerwünschte Geschäftsberuhigung gebracht hatte. Einzelne Proteste, natürlich vor allem von Ausländern oder Festlandspanieren, dass verkehrsberuhigte Zonen in Städten und Dörfern in aller Welt vorangetrieben würden, weil sie ökologisch und ökonomisch vorteilhaft seien, verhallten ungehört in den Bergen von Administrativpapieren, die eine tüchtige Verwaltung stets zu produzieren bereit war. Der König wurde mit solch‘ unbedeutenden Absonderungen aus der Feder sturköpfiger Bürger nicht behelligt.

Stattdessen führte nun eine neue Hauptverkehrsader direkt an seinem Dorfpalast vorbei, und Schilder wiesen darauf hin, dass dem König, wenn er auf seinem Balkon stand, mit Lichtsignalen und lautem Gehupe Ehrerbietung erwiesen werden müsse. Am Ende des Dorfplatzes standen zwei grimmige Dorfpolizisten und verteilten jedem Autofahrer einen Busszettel, der nicht ordnungsgemäss gehupt hatte. Der Polizist und die Polizistin trugen stets dunkle Sonnenbrillen, da in ihren Augen alle Untertanen Alarosiens, insbesondere aber die Ausländer und Festlandspanier, potentielle Verbrecher waren. Durch die Sonnenbrillen konnte man sich vor ihren schlechten Gedanken schützen und musste diesen arroganten Nichtsnutzen nicht noch direkt ins Auge schauen. Grimmige Gesichter — das war das untrügliche Kennzeichen der polizeilichen Gewalt Alarosiens. Die früher freundlich lächelnden und geselligen Polizisten, die im Dorfkaffee auch mal mit dem einfachen Bürger ein Schwätzchen hielten, waren vorbei. «Ein Polizist darf nicht freundlich sein, darf dem Bürger keinen guten Tag wünschen. Denn eben jener Bürger könnte den Wunsch nach einem guten Tag ja dahingehend verstehen, dass er bei seinen Gaunereien heute möglichst erfolgreich sein sollte. Da alle Bürger grundsätzlich kriminell veranlagt sind, müssen auch Dorfpolizisten ihrer gesellschaftlichen Stellung gemäss Distanz zu den Untertanen wahren.» So hatte es der Adjutant des Königs dem obersten Polizeichef von Alarosien, Jaume Segundo, kundgetan.

Als ein Bürger Alfonso Primero darauf hinwies, dass er doch eigentlich Bürgermeister aller Bürger sei und so wichtige Massnahmen wie die Zerstörung des friedlichen Dorfplatzlebens und damit auch die Existenz von einigen Kaffees folglich mit dem gesamten Dorf besprochen werden sollten, da liess er diesen Bürger durch die beiden Dorfpolizisten erst einmal verhaften. Dann suchten sie des Bürgers Auto, das mit dem rechten Hinterrad ganz knapp eine gelbe Linie berührte, verpassten ihm einen saftigen Strafzettel von einhundertvierzig Euro und befestigen schliesslich, weil der Halter nach 10 Minuten immer noch nicht wieder bei seinem Wagen war (er sass ja im Dorfgefängnis ein), an besagtem rechten Hinterrad eine Wegfahrsperre.

„Papperlapapp,“ sagte der König von Alarosien, angesprochen auf die rüden Umgangsformen seiner Polizisten und Polizistinnen: «Ich bin gewählt. Ich habe die Macht. Und ich entscheide. Meine Polizei sorgt in diesem Dorf endlich für Zucht und Ordnung» Und weil er auch von allen Touristen angehupt werden wollte, sorgte Alfonso Primero dafür, dass alle Strassenschilder, die zu den kostenlosen Dorfparkplätzen zeigten, auf jeden Fall den Weg über den Dorfplatz wiesen. Dicke Lastwagen, fette Touristen und rücksichtslose Jugendliche fanden es aufregend, die Hauptstrasse des Dorfes entlangzurasen und zu prüfen, wer am schnellsten bis zur Banca March vordringen konnte. Quietschende Bremsen vertrieben Mütter mit ihren Kindern sowie ältere Einwohner, plötzliche Beschleunigung plättete streunende Hunde, und der Erfolgreichste bekam monatlich den „Goldenen Ellenbogen“ überreicht. Einmal erwischte ein Autofahrer ein dreijähriges Kind, das sich glücklicherweise nur einen Arm brach. Der König fragte seinen Oberpolizisten nach der Familie, und als er erfuhr, dass es sich um Engländer handelte, meinte er abwinkend: «Ach so,  Ausländer, und zudem Briten. Das macht nichts. Ein deutsches Kind hätte mir eher leid getan, denn die Deutschen standen unserer Republik vor einigen Jahrzehnten in grosser Not zur Seite.»

Um die Einnahmen zu steigern, eliminierte der König von Alarosien als nächstes kurzerhand einige Parkplätze vor der Dorfapotheke, so dass Menschen, die nicht so weit laufen können, zwangsläufig verboten parkieren mussten, um dringend benötigte Medikamente abzuholen. Auch hier lauerten der Dorfpolizist und die Dorfpolizistin und verteilten emsig ihre gelben Strafzettel. Gnadenlos wurde Jagd auf Falschparker gemacht, eine übrigens sehr erfolgreiche Jagd, denn im Königreich gab es grundsätzlich zu wenig Parkplätze.

So mehrte Alfonso Primero sein Vermögen und dasjenige des Königreiches. Und das war das Gleiche. Und als er von nunmehr schon einer ganzen Reihe von Bürgern darauf hingewiesen wurde, dass seine Regentschaft sich einem Mass an Selbstherrlichkeit näherte, das bald nicht mehr erträglich sei, liess er sie kurzerhand alle verhaften und, weil das Dorfgefängnis zu klein war, ins Fussballstadion abführen. Man hat nichts mehr von ihnen gehört.

Seither herrscht Frieden in Alarosien. Der König regiert, die Untertanen bücken sich, und alles ist gut.

Was mit der Demokratie geschehen ist?

Welche Demokratie?

 

PS: Alaró, Mallorca, immer ein Teil meiner globalen Heimat. Dieser auch ins englische und spanische übersetzte Bericht fand im Jahre 2007 nicht bei allen politischen Parteien des Dorfes Anklang. Und diejenigen, die ihn damals grinsend befürworteten, lehnen ihn heute, einige Zeit später, grimmig ab.

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