Vorwort

Dialoge mit Sokrates
Was in aller Welt will der Philosoph einer Führungskraft sagen? Sind Philosophen nicht diese komischen Menschen, die weltfremd durch die Weltgeschichte laufen und behaupten, sie kennen die Geheimnisse des Universums? Und wenn man aus ihrer Weisheit praktischen Nutzen ziehen möchte, geben sie einem dann nicht völlig realitätsfremde und unverständliche Antworten? — Tatsächlich gibt es genügend verstaubte Professoren, die fernab des Wirtschaftslebens theoretisierend hin und her philosophieren. Das kann doch mit dem Leben nichts zu tun haben, wieso soll ich als Manager mich also damit befassen, werden sie vielleicht sagen. Recht haben Sie!Aber es gibt auch die anderen Philosophen, diejenigen, die mitten im Leben stehen und uns nur deshalb unangenehm auffallen, weil sie Dinge ansprechen, die wir manchmal nicht so gerne hören wollen. Sokrates war einer von ihnen. Er hat, so der römische Redner und Schriftsteller Cicero, «Die Philosophie vom Himmel auf die Erde geholt.» Mit anderen Worten, Sokrates begriff die Philosophie als etwas, das für jeden denkenden Menschen verständlich und von Nutzen sein kann.Sokrates und sein Schüler Platon sowie dessen Schüler Aristoteles gehörten heute sicherlich zu den bestbezahlten Unternehmensberatern der Welt. (Immerhin war Aristoteles der Lehrer von Alexander dem Großen, der es ja bekanntlich zu etwas gebracht hat.) Auf ihren Inseln in der Ägäis würden sie Unternehmer, Führungskräfte und Regierungschefs empfangen, mit ihnen am Strand oder in ihren Villen diskutieren, philosophieren und natürlich auch fröhliche Feste feiern.Dieses Buch ist das Ergebnis einer langjährigen Beratungstätigkeit mit Direktoren, Abteilungsleitern, Verkäufern und anderen. Mit ihnen betreibe ich praktische Philosophie, orientiert an den Problemen der Wirtschaft. Was immer Sie nun lesen werden, Auslöser waren stets konkrete Ereignisse bei den Unternehmern, die mir ihr Vertrauen schenken. Sie gewährten und gewähren mir in unseren Diskussionen Einblick in ihr Denken, ihre Sorgen und Nöte aber auch ihre Erfolge.Glück und Erfolg, diesen Wunsch hat fast jeder Mensch. Wie das genau funktionieren soll, darüber sind sich die meisten natürlich nicht einig.Alles scheint aber damit zu beginnen, daß wir einige der Spielregeln kennenlernen, die unser Zusammenleben und -arbeiten bestimmen, unseren Umgang mit uns selbst, unseren Vorgesetzten und Mitarbeitern, unserer Familie sowie unseren Freunden (und Feinden).Es geht mir mit diesem Buch um konkrete Probleme, um Fragestellungen jenseits der Tageshektik. So habe ich mir erlaubt, philosophische Betrachtungen und Gedanken auf den Punkt zu bringen, sie teilweise auch zu vereinfachen. Das Buch soll kein Philosophieunterricht sein. Vielmehr soll es aufzeigen, wie wir mit Hilfe der Philosophie Probleme im Geschäftsleben betrachten können, um möglicherweise zu gänzlich neuen Erkenntnissen zu gelangen oder auch aktuelle Probleme aus anderer Sicht wahrnehmen zu können.

«Dialog mit Sokrates» ist ein Ratgeber der anderen Art. Sie werden nämlich keine Checklisten und fixen Handlungsregeln finden. Es kommt sogar noch schlimmer: im Buch werden Sie immer wieder eine «Denk- und Philosophierseite» entdecken. Hier haben Sie Gelegenheit, sich ihre persönlichen Gedanken zum Gelesenen zu machen. Denn Philosophie ist auch das Staunen über das Wunder (oder den Schrecken) des eigenen Seins und Wirkens. Und dieses unvoreingenommene Staunen, wenn man es einmal ein wenig geübt hat, verhilft einem häufig zu gänzlich neuen Einsichten. Plötzlich tun sich dort Lösungen auf, wo vorher keine waren.

Daß der angeblich vor 2.500 Jahren verstorbene Sokrates mich eines Tages persönlich besuchen kam, war zu befürchten. Denn auch ich habe noch viel zu lernen. Was wir bei unseren Abenteuern erlebten, darüber sollen Sie nun (fast) alles erfahren.

Tom Voltz

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