Vorwort

Voltz vorgesetzteneinschätzung

Die Freunde der ISO-Normen müssen von der Vorgesetztenbeurteilung begeistert sein. Endlich wird auch der letzte Rest Mensch in eine mittels Checklisten festgelegte Normhülle gepreßt, hoffen sie. Die Stanzmaschinen der Wirtschaftswissenschaften erzeugen am Fließband den Normmanager, der mit der Vorgesetztenbeurteilung und anderen Beurteilungsrastern quantitativ und qualitativ überwacht, verbessert und gegebenenfalls ausrangiert werden kann. Vielleicht sind Führungskräfte ja in zwanzig Jahren überflüssig, wenn Softwareprogramme jegliche Managementarbeit übernehmen. Aber noch ist es nicht so weit.

Die Vorgesetztenbeurteilung wird oft als Mittel verkauft, um den sogenannt «kooperativen» oder «partizipativen» Führungsstil zu implementieren. Unsinn, sage ich und werde es begründen. Es braucht keineswegs diese ideologische Färbung, um aus der Vorgesetztenbeurteilung Nutzen zu ziehen, selbst dort, wo «autoritär» geführt wird, kann sie Vorteile bringen. Die Vorgesetzteneinschätzung bedingt keinen bestimmten Führungsstil.

Sodann wird immer wieder erklärt, es müsse eine bestimmte Unternehmenskultur vorherrschen. Nein, sage ich, so ist das nicht richtig. Die Vorgesetztenbeurteilung ist in jedem Unternehmen ein- und durchführbar, das zwei Bedingungen erfüllt: Erstens, daß die Geschäftsleitung davon überzeugt werden kann, daß sie mehr Nutzen als Schaden verursacht, und zweitens, daß das Unternehmen von Menschen geführt wird, von Menschen im Gegensatz zu zu Wirtschaftssubjekten verkommenen Zweibeinern. Letztere Bedingung ist allerdings häufig die unüberwindbare Hürde. Ich glaube viele Führungskräfte wissen nicht, wie viel Verständnis ihnen von ihren Mitarbeitern entgegengebracht wird, wieviel Toleranz ihnen gelegentlich abverlangt wird. Nur so läßt es sich häufig mit Führungskräften aushalten. Selbstverständlich leiden auch Führungskräfte an ihren Mitarbeitern. Um diese Leiden zu mildern, ist die Vorgesetztenbeurteilung ein erster Schritt.

Für die Untersuchungen zum Thema habe ich mit über 600 Unternehmen im deutschsprachigen Raum Kontakt aufgenommen und stieß bei vielen Geschäftsleitungen und Personaldirektionen auf offene Türen. Dafür bedanke ich mich bei ihnen.

Vielleicht, so meine Hoffnung, kann das berufliche Umfeld menschenfreundlicher gestaltet und können aus den sogenannten «Human Resources» wieder Menschen gemacht werden. Die Vorgesetzteneinschätzung ist ein Beitrag. Daß sie zugleich auch zum finanziellen Unternehmenserfolg positiv beitragen kann, ist ein schöner Nebeneffekt. – Sagte ich gerade Nebeneffekt?

Tom Voltz

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