Zürichsee soll um 2 Meter abgesenkt werden

Im häufig sehr emotional geführten Streit um die Errichtung des Seeuferweges rund um den Zürichsee bahnt sich eine überraschende Lösung an, die hinter den Bühnen bereits von allen involvierten Parteien getragen wird: Die Absenkung des Seeniveaus um rund zwei Meter.

M. M., Mitinitiatorin der Volksinitiative „Zürisee für alli“ liess diese Sensation bei einem Mittagessen mit diesem Blog durchsickern. «Die Lösung des Streits ist doch ganz einfach,» erklärte sie. «Man senkt den See um 2 Meter ab, so dass der auf dem tieferen Niveau anzulegende Seeuferweg keinen direkten Einblick in die Gärten und Häuser ermöglicht. Die Privilegierten haben weiteren freie Sicht auf ‚ihren‘ See. Ihre Privatsphäre bleibt gewahrt. Und schon sind alle zufrieden.» Weshalb man dem Zürcher Tages-Anzeiger, der soeben ausführlich vom Streit berichtete, diese Meldung vorenthielt, konnte nicht ergründet werden.

Machbarkeitsstudie

Die Seeanstösser, die Kantone Zürich, St. Gallen und Schwyz, haben das renommierte Planungsbüro Wüste & Sünneli mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Die Kosten von 1.700.000 Millionen Franken seien bereits abgesprochen, ein entsprechender Zusatzkredit in den Haushalten der Kantone unter „Sonderausgaben“ heute nachmittag durchgewunken.

Besonderer Schwerpunkt soll auf die kritischen Jahreszeiten gerichtet werden, wenn der Seespiegel naturgemäss ansteigt. Sollte die Überflutung einzelner Uferwege nicht länger als sechs Wochen dauern, will man den Senkungsauftrag im Detail planen.

Limmat vertiefen

Um die Schifffahrt auf der Limmat vom Landesmuseum bis zum See weiterhin zu gewährleisten, soll die Limmat vertieft werden, die Boote flacher gebaut und an Seilzügen hinauf- und hinabbewegt werden. Letzteres hatten Umweltschutzverbände gefordert, denen die Dieselmotoren der lediglich dem Tourismus dienenden Boote mit ihren Schadstoffemissionen schon lange ein Dorn im Auge sind.

Hochleistungspumpen

Die Seeabsenkung soll primär durch eine grössere Durchflussgeschwindigkeit beim Seeabgang an der Limmat erfolgen. Hier sollen ein halbes Dutzend Hochleistungspumpen mit einer hydraulischen Leistung bis 200 Kubikmetern pro Stunde zum Einsatz kommen. Die Ansaugstutzen ragen bis zu 300 Metern in den See.

Angst um den Fischbestand unbegründet

Da mit dem Absaugen des Wassers unweigerlich auch Fische mit transportiert werden werden, soll am Pumpenausgang ein grosses Fischernetz die Tiere einfangen, welche dann wieder zurück in den See verbracht werden sollen. Alternativ schlägt ein Mitglied des Verbandes der Zürcher Hotellerie vor, dort einen temporären Fischmarkt zu eröffnen, bis die Aktion abgeschlossen ist. Die Fischer des Sees kündigen Protest an.

Bootshausbesitzer müssen Kosten selber tragen

Seeanstössern mit eigenen Bootshäusern wollen die Kantone keine Ausgleichzahlungen zukommen lassen. Immerhin müssen sämtliche Bootshäuser um zwei Meter vertieft und Treppenzugänge zu den dannzumal tiefer liegenden Booten errichtet werden. «Das würde jeglichen Kostenrahmen sprengen,» erklärt ein anonym bleibender Kantonsrat von Zürich. «Bau- bzw. Umbaubewilligungen werden wir allerdings wohlwollend prüfen sowie grosszügig und vor allem rasch erteilen. Im Gespräch sind kleine Zugbrücken mit gelben Warnleuchten an beiden Seiten, sodass Spaziergänger gelegentliche Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Dies sorgt allerdings zugleich für ein klein wenig Unterhaltung.»

Zugbrücken sind nicht billig — Volk soll zahlen

Bei diesen Zugbrücken handelt es sich um Teile des Seeuferweges. Wie ein mit der Materie Vertrauter Ingenieur diesem Blog erklärt, werden hier nicht unerhebliche Koksten entstehen, die aber wegen der insgesamt friedlichen und kunstvollen Lösung des seit Jahren währenden Streits Problems sicherlich gerne von den Bürgern getragen werden. Auf beiden Seiten dieser Brücken sollen Kässeli montiert werden, so dass Spaziergänger die im Normalfall hochgezogenen Brückli gegen einen 5-Liber werden herunterlassen können.

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